Wirtschaftsbildung in Österreich: Schüler fühlen sich auf eigenes Leben unzureichend vorbereitet

Experten diskutierten auf Einladung der B&C am Europäischen Forum Alpbach, © M. v. Usslar/Newsroom

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Wirtschaftsbildung in Österreich: Schüler fühlen sich auf eigenes Leben unzureichend vorbereitet


Experten aus Bildung, Politik und Wirtschaft diskutierten auf Einladung der B&C Privatstiftung am Europäischen Forum Alpbach über die Wirtschaftsbildung Jugendlicher in Österreich


Österreichische Schüler verfügen über zu wenig Wirtschaftswissen, die Vermittlung von ökonomischen Grundkenntnissen findet an heimischen Schulen nicht in ausreichendem Maße statt und in diesem Bereich hat Österreich Aufholbedarf. Das bestätigten Experten aus Bildung, Politik und Wirtschaft am Europäischen Forum Alpbach, die auf Einladung der B&C Privatstiftung zum Thema „We don’t need no education! Wirtschaftsbildung als Standortfaktor“ diskutierten: Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien, Eva Marie Haberfellner, Direktorin der Bildungsinitiative an der Dieter von Holtzbrinck Stiftung, Gerald Mayer, Finanzvorstand der AMAG Austria Metall AG, und Alois Rosenberger, Abgeordneter zum Nationalrat.  


Studien bestätigen: Wirtschaftswissen in Österreich schlecht verankert

Das Wissen der österreichischen Schüler über Wirtschaft ist noch sehr lückenhaft, das geht auch aus Studien des Instituts für Wirtschaftspädagogik der WU Wien aus dem Jahr 2016 hervor, in der die ökonomische Bildung von Schülern der Sekundarstufe I (8. Schulstufe) und II (gymnasialen Oberstufe) erhoben wurde. Auch eine Lehrplan- und Schulbuch-Analyse der WU Wien zeigt eine sehr selektive und eingeschränkte inhaltliche Aufbereitung des Themas Wirtschaft.

Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, fasst die Ergebnisse zusammen: „Die österreichischen Schülerinnen und Schüler sind sich bewusst, dass sie Wissenslücken im Wirtschaftsbereich haben und zeigen auch großes Interesse daran, dieses Thema besser zu verstehen. Es fehlt ihnen das ganzheitliche Verständnis. Sie fühlen sich nur marginal von der Wirtschaft betroffen und nicht als aktiver Teil des Wirtschaftskreislaufes.“ Laut Fuhrmann sollten die Unterrichtsmaterialien inhaltlich auf fachliche Richtigkeit geprüft und fachdidaktisch weiterentwickelt werden. Auch in der Ausbildung der Lehrkräfte könnten mehr Schwerpunkte in der Wirtschaftsdidaktik gesetzt und neue Impulse gegeben werden. Ein weiteres wichtiges Element ist ausreichend Unterrichtszeit für Wirtschaftsthemen. „Wenn man an diesen drei Schrauben dreht, wäre viel für die Wirtschaftsbildung der Jugendlichen getan“, so Fuhrmann.

Alois Rosenberger, Abgeordneter zum Nationalrat und Direktor der Bundeslehr- und Forschungsanstalt, Francisco Josephinum Wieselburg, betont: „Besonders wichtig ist, dass die Inhalte in den Schulbüchern auch bei den Wirtschaftsthemen ganzheitlich und objektiv aufbereitet sind. Hier ist es sinnvoll, Wissenschafter miteinzubeziehen. In der politischen Bildung ist uns das weitestgehend gelungen.“

Vorreiter Baden-Württemberg: Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung als Pflichtfach in Schulen eingeführt

Ähnlich wie in Österreich wird auch in Deutschland Wirtschaft meist als Verbundfach mit Geografie oder Recht unterrichtet. Baden-Württemberg hingegen hat eine Vorreiterrolle übernommen und ist eines der wenigen Bundesländer in Deutschland, die das verpflichtende Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung (WBS) an allen weiterführenden Schulen eingeführt haben. Neben eines im Schulplan klar definierten Schulfaches wird auch an Universitäten das Lehramt-Studium Wirtschaft angeboten. Eva Marie Haberfellner, Leiterin der Bildungsinitiative „Wirtschaft Verstehen Lernen“ an der Dieter von Holtzbrinck Stiftung: „Eine höhere Wirtschaftsbildung der Bevölkerung trägt zu einem höheren Wirtschaftswachstum des Landes bei. Es ist für Eltern oft schwierig, diese Aufgabe zu übernehmen, daher müssen wir sicherstellen, dass die ökonomische Bildung von der Schule abgedeckt wird.“

Nationalratsabgeordneter Alois Rosenberger weist darauf hin, dass eine Einführung eines neuen Schulgegenstandes in Österreich häufig auf Widerstand bei Eltern und Schülern aufgrund des hohen Stundenausmaßes stößt und auch die Budgetfrage zu klären sei.

Wirtschaftliche Kompetenz sowohl im Alltagsleben als auch im Unternehmen wichtig

Gerald Mayer, Finanzvorstand der AMAG Austria Metall AG, sieht bei den Lehrlingsbewerbungen in den letzten Jahren vor allem einen Rückgang in den Grundkenntnissen Lesen, Schreiben und Rechnen. Eine Erhebung unter den Lehrlingen in der AMAG zeigte dagegen positive Ergebnisse, was theoretisches Grundwissen der Wirtschaft betrifft. Jedoch sieht Mayer eine Tendenz, dass wirtschaftliches Handeln im Alltag nicht mehr gelernt wird: „Nicht theoretisches Wissen ist unbedingt ausschlaggebend, sondern wie setze ich es in der Praxis um. Früher musste man ‚wirtschaften‘, um zu überleben, im heutigen Überfluss und durch die neuen Technologien, die vieles abnehmen, werden die Menschen nicht mehr gefordert, im Alltag wirtschaftlich zu denken und zu handeln – ihren Hausverstand einzusetzen. Daher wird die aktive Wirtschaftsbildung an Schulen wichtiger werden. In der AMAG werden geänderte Anforderungen und Lücken durch unternehmenseigene Schulungsprogramme abgedeckt.

Die Studienergebnisse der WU Wien zeigen auch sehr deutlich, dass Grundlagen im Wirtschaftswissen nicht nur für Unternehmen eine wichtige Qualifikation ist, sondern auch im Alltagsleben gebraucht wird. „Schüler fühlen sich auf ihr eigenes Leben nur unzureichend vorbereitet, um beispielsweise Spar- bzw. Investitionsentscheidungen zu treffen, worauf man bei Abschluss eines Mietvertrages oder einer Versicherung achten muss oder auch bei Steuer-Themen“, so WU-Studienleiterin Fuhrmann.

B&C Privatstiftung baut Engagement im Bildungsbereich aus

„Studien zeigen, dass das Wirtschaftswissen in der österreichischen Gesellschaft schlecht verankert ist. Dabei ist Wirtschaftskompetenz ein Grundpfeiler einer gesunden Wirtschaft. Auch für Unternehmen sind ökonomische Kenntnisse ihrer Mitarbeiter unabdinglich. Im Sinne unseres Stiftungszweckes ‚Förderung des österreichischen Unternehmertums‘ ist uns dieses Thema ein großes Anliegen. Daher möchten wir die Diskussion zur Wirtschaftsbildung an österreichischen Schulen wieder anstoßen, aber auch aktiv Initiativen setzen und gemeinsam mit Experten innovative Projekte zur Steigerung der allgemeinen Wirtschaftskompetenz in Österreich entwickeln und finanziell unterstützen“, so Mariella Schurz, Generalsekretärin der B&C Privatstiftung und Gastgeberin der Podiumsdiskussion am Europäischen Forum Alpbach.

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Gruppenfoto: v.l.n.r.: Gerald Mayer, Finanzvorstand der AMAG Austria Metall AG; Mariella Schurz, Generalsekretärin der B&C Privatstiftung;  Eva Marie Haberfellner, Direktorin der Bildungsinitiative an der Dieter von Holtzbrinck Stiftung; Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik; Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria (Moderator);  Alois Rosenberger, Abgeordneter zum Nationalrat
© M. v. Usslar/Newsroom

 

Über die B&C-Gruppe
Seit ihrer Gründung im Dezember 2000 verfolgt die B&C Privatstiftung (www.bcprivatstiftung.at) das Ziel der Förderung des österreichischen Unternehmertums und des Wirtschaftsstandortes Österreich. Über ihre Holdinggesellschaften (www.bcholding.at) nimmt die B&C die Aufgaben eines stabilen Kernaktionärs in österreichischen Industrieunternehmen wahr. Sie übt ihre Aktionärsrechte im Interesse des jeweiligen Unternehmens aus und gibt den Unternehmen damit langfristige Planungssicherheit und eine stabile Eigentümerstruktur. Die B&C leistet so einen wesentlichen Beitrag zum unternehmerischen Erfolg ihrer Kernbeteiligungen. Die B&C-Gruppe hält derzeit Mehrheitsbeteiligungen an der Lenzing AG, der Semperit AG Holding sowie der AMAG Austria Metall AG.